Da Lats Underground-Musikszene findet ein Zuhause in den Cafés der Highlands.
Live-Auftritte locken junges Publikum in alternative Locations
Die Kulturlandschaft von Đà Lạt wandelt sich: Eine lebendige Underground-Musikszene etabliert sich in den gemütlichen Cafés der Stadt und bietet eine Alternative zum touristischen Mainstream-Angebot, das den Bergkurort lange Zeit dominiert hat.
Jeden Freitag- und Samstagabend verwandeln sich die Lokale entlang der Trần Quốc Toản Straße und rund um den Xuân Hương See in intime Konzerträume. Hier treten Indie-Rock, experimentelle elektronische Musik und Jazz-Fusion auf und ziehen junge Vietnamesen und Expats gleichermaßen an.
„Wir veranstalten seit zwei Jahren Live-Musik, aber in den letzten sechs Monaten ist die Nachfrage explosionsartig gestiegen“, sagt Nguyễn Minh Tâm, Inhaber des Đêm Lạnh Cafés in der Nähe des Đà Lạt Marktes. „Mittlerweile buchen Bands drei Monate im Voraus.“
Vom Café zur Gegenkultur
Die Bewegung spiegelt einen breiteren kulturellen Wandel in Đà Lạt wider, wo sich eine wachsende Zahl junger Kreativer und Remote-Arbeiter niedergelassen hat. Sie werden vom angenehmen Klima und den im Vergleich zu Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi niedrigeren Lebenshaltungskosten angezogen.
Locations wie The Attic in der Phan Bội Châu Straße und der Analog Space in der Nähe der Cam Ly Wasserfälle haben sich zu Zentren der Szene entwickelt. Einige Cafés investieren in professionelle Soundanlagen und Akustikmaßnahmen, um wöchentliche Auftritte zu ermöglichen.
Trần Thu Hằng, eine 24-jährige Gitarristin aus Hanoi, die letztes Jahr nach Đà Lạt zog, tritt regelmäßig mit ihrer Band Sương Mù (Nebel) in diesen Locations auf. „In den Großstädten konkurriert man mit so viel Lärm“, erklärt sie. „Hier kommen die Leute wirklich zum Zuhören. Das Publikum ist kleiner, aber dafür umso engagierter.“
Lokale Behörden reagieren
Das Wachstum ist auch den lokalen Behörden nicht entgangen. Das Kultur-, Sport- und Tourismusministerium von Lâm Đồng hat laut Insidern Gespräche über die Erstellung klarerer Richtlinien für Livemusik-Locations aufgenommen.
Während einige Cafébesitzer mögliche Einschränkungen befürchten, sehen andere darin eine Anerkennung des kulturellen Wertes der Szene. „Wir wollen weder die Blumenfeste noch die Touristenattraktionen ersetzen“, sagte Lê Văn Khoa, der ein Kollektiv von sieben Künstlern leitet. „Wir bereichern Đà Lạt um eine weitere Facette.“
Mit mindestens 15 Cafés, die regelmäßig Livemusik anbieten, und schätzungsweise 200 bis 300 Besuchern an jedem Wochenende bei Underground-Konzerten, entwickelt sich der Ruf der Bergstadt als Kulturdestination weiter und geht über das traditionelle Image von Flitterwochenpaaren und französischer Kolonialarchitektur hinaus.